S’Füüferli und s’Weggli

Wieder mal macht die Politik in Bern Schlagzeilen. Wie heute in der Presse zu lesen war, will der Bundesrat schon bald die Familien mit Kindern steuerlich entlasten. So weit so gut.
Pro Kind soll einer Familie 170.- Abzug auf den Steuerbetrag gewährt werden. Im Vergleich zu den monatlichen Kinderzulagen nicht gerade viel… doch immerhin! Nein, der Bundesrat will noch weiter gehen: Familien, die ihre Kinder fremdbetreuen lassen, sollten weitere 12′000.- Franken auf das steuerbare Einkommen abziehen können! Eine kurze Rechnung in einer durchschnittlichen St.Galler Gemeinde zeigt, wer hier profitiert: Eine alleinerziehende Mutter, die ein jährliches Bruttoeinkommen von 60′000.- Franken erzielt, bezahlt in diesem Fall ca. 2′500.- Franken Steuern pro Jahr. Wenn Sie ihre beiden Kinder fremdbetreuen lässt, so kann sie je 12′000 Franken vom steuerbaren Einkommen abziehen. Damit bezahlt sie noch ca. 850.- Franken Steuern. Sie würde also mit ca. 1′650.- Franken besser da stehen.

Berechnet man die selbe Situation mit einem verheirateten Doppelverdienerpaar mit sehr gutem Einkommen, so sieht die Situation ganz anders aus: Bei 200′000.- Bruttoeinkommen der Eltern würde die Familie ca. 38′000.- Steuern bezahlen, sofern sie keine grösseren Steuertricks annwendet. Mit dem Abzug für die beiden Kinder würde der Steuerbetrag auf 29′000.- sinken. Damit profitiert die sehr wohlhabende Familie mit ca. 9′000.- Franken von diesem Geschenk.

Liebe Damen und Herren Politiker: Sieht so eine soziale Familienpolitik aus?

Was muss sich eine Mutter von 2 Kindern dabei denken, die täglich härteste Arbeit verrichten MUSS, um ein Einkommen nach Hause zu bringen, welches der Familie das Überleben sichert, ohne von Sozialhilfe abhängig zu werden, in einer äusserst günstigen und kleinen Wohnung und ohne sich und ihren Kindern Ferien leisten zu können? Ihr “schenkt” der Bund knappe 2′000.- Franken. Und einer Wohlhabenden Familie, die jährlich 2 Wochen Luxusurlaub machen kann und in einem grossen, selbst gebauten 7 Zimmer EFH wohnt, werden fast 10′000.- Franken verschenkt?

Wer so etwas noch sozial findet, der ist definitiv asozial!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail wird niemals veröffentlicht. Erforderliche Felder sind als * markiert.

*
*